Archiv für den Monat: September 2015

Zeit statt Zeug

„Der fünfte Schal, das zehnte Parfüm. Es klingt furchtbar banal. Aber Dinge, die wir kaufen und dann besitzen, kosten Zeit, Geld und Ressourcen. Traditionell verschärft sich das alles an Weihnachten noch ein wenig. Dabei denken wir noch, wir tun denen, die wir am meisten lieben, einen Gefallen, wenn wir ihnen Zeug schenken“, sagt Michael Volkmer, Initiator des Projektes „Zeit statt Zeug“, das 2012 als „Weihnachstspezial“ seiner Agentur SCHOLZ&VOLKMER begann. Über die Webseite www.Zeit-statt-Zeug.de kann man sich Anregungen holen und seinen Liebsten gemeinsame Zeit schenken: Basteln statt bestellen, Waldluft statt Parfüm oder Kochabend statt Kochbuch sind nur ein paar Möglichkeiten, mit denen man seine Mitmenschen glücklich machen kann. Und die Idee kam gleich gut an. 20.000 Zeitgeschenke wurden im ersten Jahr online verschenkt. Das animierte und motivierte, noch einen draufzusetzen. Im Folgjahr fanden Kunden in ausgewählten Real-Märkten auch noch Gutscheinkarten von “Zeit statt Zeug” im Wert von 60, 90 oder 120 Minuten gemeinsamer Zeit, die sie mitnehmen und ihren Freunden schenken konnten. Ob das nun der erste kostenlose Supermarktartikel der Welt war oder nicht: „Die Aktion macht vor allem eines deutlich: Die Geschenke werden wertvoller, nicht nur weil gemeinsame Zeit mehr aus der Zeit macht, sondern weil man etwas verschenkt, was immer knapper wird. Mit Zeug kann man sich frei kaufen, mit geschenkter Zeit kann man sich gemeinsam befreien“, bringt es der Zeitforscher Dietrich Henckel auf den Punkt. Die Webseite gibt es mittlerweile neben Deutsch in den Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch und Tschechisch, auf der es dann jeweils heißt: Willkommen bei Zeit-statt-Zeug.de. Welcome to Zeit-statt-Zeug.de. Bienvenue à Zeit-statt-Zeug.de. Bienvenidos a Zeit-statt-Zeug.de. Witamy na Zeit-statt-Zeug.de. Vítejte u Zeit-statt-Zeug.de.

Zeit statt Zeug“Eine Absage an die spätkapitalistische Absurditätskultur” nennt die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Webseite Zeit-statt-Zeug.de, über die gemeinsame Zeit verschenkt werden kann.

Der Schritt der Zeit

Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt verflogen, ewig still ist die Vergangenheit.

Johann Christoph Friedrich von Schiller, deutscher Dichter, Philosoph und Historiker (* 10. November 1759 in Marbach am Neckar; † 9. Mai 1805 in Weimar)

Zeitwelten – ziemlich spannend

Zeitwelten, dieses Wort kennt der Duden nicht. Auch in einem Brockhaus aus dem Jahre 1984 sucht man vergebens. Im Netz dagegen wird man fündig. Immerhin 5.380 Treffer gibt es bei Google. Gleich die erste Fundstelle verweist auf ein Buch, das auch noch so heißt: Zeitwelten von Reiner Wiehl aus dem Jahre 1998, das den Untertitel trägt: Philosophisches Denken an den Rändern von Natur und Geschichte. Aber nicht nur in der Philosophie taucht der Begriff auf, auch in der Physik kommt man ohne ihn nicht aus. Und das sind längst nicht alle Disziplinen, die diesen Begriff bemühen. Was aber sind Zeitwelten? In loser Folge soll es zu dieser Frage künftig hier auf diesem Blog Beiträge geben, die in die Tiefe gehen und alle Bereiche beleuchten. Heute jedoch soll ein ganz einfaches Beispiel reichen, das – der alltäglichen Realität entnommen – völlig banal und insofern ganz leicht nachvollziehbar ist. Also, wie wir alle wissen, gibt es zwei Sorten von Menschen: Den Zufrühkommer und den Zuspätkommer. Beide leben, wenn sie hier in Berlin ansässig sind, in derselben Zeit, aber ganz offensichtlich in völlig unterschiedlichen Zeitwelten. Ich selbst gehöre der ersten Kategorie an und empfinde Unpünktlichkeit als eine besonders schwere Form des Diebstahls. Denn die Zeit, die ich gewartet habe, ist unwiederbringlich weg. Zudem ist es auch eine ziemliche Respektlosigkeit, jemand warten zu lassen. Und komischer Weise haben diese Menschen der Kategorie zwei selbst noch nie einen Ferienflieger versäumt. Stellt sich abschließend die Frage, wie es dazu kommt, dass jemand pünktlich bzw. unpünktlich ist. Dazu stellt die Diplom-Psychologin Beatris Uhlig fest: „Es ist sehr prägend, in welchem Umfeld man geboren wird. Ob Kinder später pünktlich oder gar Zuspätkommer sind, sieht man erst im Schulalter. Wir bringen zwar eine Veranlagung mit, können aber im Laufe des Lebens zwischen den beiden Zeitwelten wechseln.“ Da ist er wieder, der Begriff Zeitwelten, die, wenn man sich intensiver mit ihnen auseinandersetzt, ziemlich spannend sind.

Die Vier Jahreszeiten

Die Vier Jahreszeiten (italienisch Le quattro stagioni) sind das wohl bekannteste Werk von Antonio Vivaldi – und eines der schönsten Musikwerke überhaupt. Es handelt sich um vier Violinkonzerte, die jeweils eine Jahreszeit porträtieren. Dabei werden vor allem Naturerscheinungen imitiert – sanfte Winde, heftige Stürme und Gewitter. Aber auch Vogelstimmen und sogar ein Hund kommen vor, ebenso wie eine Jagd, ein Bauerntanz, das Schlittschuhlaufen einschließlich Stolpern und Hinfallen bis hin zum schweren Schlaf eines Betrunkenen. Damit nicht genug: Süsses Gemurmel eines Bächleins hört man, Blitz und Donner, schlafende Hirten, surrende Fliegen, fliehendes Wild – der Fantasie sind dank der Musik keine Grenzen gesetzt. Vivaldi veröffentlichte diese vier Konzerte 1725 als Teil seiner Sammlung Op. 8 unter dem Titel Il cimento dell’armonia e dell’inventione fast zeitgleich in Amsterdam und Paris und widmete sie dem böhmischen Grafen Wenzeslav von Morzin. Sehr schnell waren sie ein internationaler Hit, fielen dann aber in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder erwachten. Heute sind die Vier Jahreszeiten populärer denn je. Und nahezu jeder Musiker, der etwas auf sich hält, nimmt sich des Themas an, egal ob mit Geige, Klavier, Mundharmonika, Saxophon oder Zither – so auch die deutsche Jahrhundertgeigerin Anne-Sophie Mutter, gemischt mit eindrucksvollen Bildern.


Anne-Sophie Mutter spielt aus Vivaldis Vier Jahreszeiten – gemischt mit eindrucksvollen Bildern.

Spektakuläre Zeitlupen

Es gibt in der Kinogeschichte in der Tat beeindruckende Zeitlupenszenen. Zu den spektakulärsten Aufnahmen zählen dabei sicherlich diejenigen aus dem Film Matrix, in dem der sogenannte Bullet-Time-Effekt durch 122 digitale Kameras realisiert wurde. Die Kameras waren rund um die Dachszene auf Schienen geschraubt und wurden synchronisiert ausgelöst. So konnte die Szene verlangsamt, gestoppt  oder rückwärts abgespielt und der Eindruck vermittelt werden, dass eine Kamera um das Geschehen herumfährt.

                 Im Film Matrix gibt es spektakuläre Zeitlupenaufnahmen.

Die Technik, Bewegunsgabläufe verlangsamt darzustellen, geht auf eine Erfindung des österreichischen Priesters und Physikers August Musger zurück, der 1904 die Konstruktionspläne für seinen „Serienapparat mit Spiegelrad“ in Österreich zum Patent anmeldete. Allerdings musste er aus finanziellen Gründen sein Patent aufgeben, so dass es 1914 die Firma Ernemann war, die einen Zeitlupenapparat vorstellte.

              Beeindruckende Zeitlupenaufnahmen von Wissenschaftlern der Universität of Minnesota.

Heute wird beim Film eine Zeitlupe dadurch hergestellt, indem man die Bildfrequenz bei der Aufnahme erhöht und die Aufnahme dann mit normaler Geschwindigkeit abspielt. Für extreme Zeitlupenaufnahmen kommen spezielle Kameras wie MOS-Kameras oder Hochgeschwindigkeitskameras zum Einsatz. Während in Action-Filmen die Zeitlupe noch mehr Spannung erzeugen soll, dient sie im Dokumentarfilm dazu, besonders schwierige Vorgänge anschaulicher darzustellen. Auch im Sport findet sich die Zeitlupe, um fragliche Szenen aufzulösen.