Archiv für den Monat: Oktober 2015

Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit

„Ist das Universum unendlich oder begrenzt oder endlich und unbegrenzt? Hat die Raumzeit einen Anfang, den Urknall? Wird ihre heutige Expansionsbewegung einmal zum Stillstand kommen, so daß sie wieder in sich zusammenstürzt? Liefe die Zeit dann rückwärts? Welchen Platz im Kosmos nehmen wir ein? Und ist in den atemberaubenden Modellen der Astronome Gott endgültig von seinem Thron verbannt? Das sind nur einige der existentiellen Fragen, die Forschung und Lehre im Zenrtum der modernen Physik und Kosmologie ebenso bestimmen wie die Diskussion von Philosophen und Geisteswissenschaftlern. Stephen Hawking hat sich in seinem bahnbrechenden Buch ‚Eine kurze Geschichte der Zeit‘ mit ihnen befaßt. In dieser einmaligen illustrierten Sonderausgabe bringt er seinen zum Klassiker der modernen Astrophysik avancierten Bestseller auf den gegenwärtigen Erkenntnisstand und gibt einen gut verständlichen Einblick in seine komplexen Theorien über Ursprung und Schicksal des Universums.“

So die verlagsseitige Beschreibung des im Februar dieses Jahres immerhin in 5. Auflage erschienenen Buches, in dessen Vorwort der Verfasser seine Aktualisierung im Jahre 1996 u.a. wie folgt beschreibt: „Zu diesem Zweck habe ich viele Erkenntnisse und Beobachtungsdaten aufgenommen, die seit der Erstveröffentlichung (1. April 1988) hinzugekommen sind. Ferner gibt es ein neues Kapitel über Wurmlöcher und Zeitreisen. Einsteins Relativitätstheorie scheint uns die Möglichkeit zu eröffnen, Wurmlöcher zu schaffen und zu nutzen – kleine Röhren, die verschiedene Regionen der Raumzeit miteinander verbinden. Wenn dies so wäre, könnten wir eines Tages in der Lage sein, Blitzreisen durch die Milchstraße oder durch die Zeit zu unternehmen.“ So weit, so gut, und vor allem verständlich.

IMG_2520 KopieAll-Interpretation von Elly Untermann (2002): In sich geschlossen und ohne Anfang und Ende?

Auch die Probleme, die Zeitreisen so mit sich bringen könnten, erklärt Hawking ausgesprochen anschaulich. Da es kein einheitliches Zeitmaß gebe und jeder Beobachter eine eigene Zeit habe, die er auf seiner mitgeführten Uhr messe, könne die Reise den Raumfahrern wesentlich kürzer erscheinen als den Freunden und Verwandten auf der Erde. „Allerdings“, so der Mathematik- und Physikprofessor, „wäre es kaum sehr angenehm, einige Jahre älter von seiner Reise durchs All zurückzukehren und feststellen zu müssen, daß alle Menschen, die man auf der Erde zurück gelassen hat, seit Jahrtausenden tot und vergessen sind. So mußten die Science-ficton-Autoren, um ihren Geschichten einen menschlichen Anstrich zu geben, vorausssetzen, wir würden eines Tages einen Weg finden, uns schneller als das Licht fortzubewegen. Allerdings scheint den meisten dieser Autoren nicht klar zu sein, daß nach der Relativitätstheorie jemand, der schneller als das Licht ist, auch in der Zeit zurückreisen kann, wie dem folgenden Limerick zu entnehmen ist:

There was a joung lady of Wight
Who traveled much fast than light.
She departed one day,
In a relative way,
And arrived on the previous night.“

Dass das nicht ganz unproblematisch sein kann, ist nachvollziehbar. Hawking beschreibt einen der möglichen Widersprüche: „Nehmen Sie beispielsweise an, Sie gingen zurück und brächten Ihren eigenen Ururgroßvater zur Strecke, als er noch ein Kind war“. Ebenso verständlich erklärt er an anderer Stelle, was „kosmische Strings“ sind: „Wie der Name sagt, handelt es sich bei kosmischen Strings um saitenartige Objekte, das heißt, sie haben Länge, aber nur einen winzigen Querschnitt. Im Grunde haben sie mehr Ähnlichkeit mit Gummibändern, denn sie stehen unter enormer Spannung – etwa einer Million Millionen Millionen Millionen Tonnen. Ließe sich ein kosmisches String an der Erde befestigen, so könnte es diese in einer dreißigstel Sekunde von 0 auf 100 Kilomter pro Stunde beschleunigen.“ Wow, denkt man da – wie des Öfteren in diesem Buch, das sich erfrischend humorvoll, klar und plausibel sowie zum Teil mit sensationellen Hubble-Fotos bebildert präsentiert. Ohne seinen wissenschaftlichen Anspruch aufzugeben, ist es in der Sprache eher unakademsch und damit für ein breites Publikum nachvollziehbar. Insofern ist es wahrlich kein Wunder, dass von Hawkings Büchern über Physik, wie sein ehemaliger Student Nathan Myhrvold es einmal formulierte, mehr verkauft worden sind als von Madonnas Büchern über Sex. Dieses gehört ganz sicher dazu und macht Lust auf das vielleicht nächste Werk dieses genialen Mannes.

Denn, so schreibt er, “sind weitere Beobachtungen erforderlich, um diese Hypothese (Anm. d. Red.: das Universum weise keine Grenzen oder Ränder in imaginärer Zeitrichtung auf) zu bestätigen und andere möglichen Erklärungen für die Fluktuationen im Mikrowellenhintergrund auszuschließen. Jedenfalls sollten wir in ein paar Jahren wissen, ob wir daran glauben können, daß wir in einem Universum leben, das vollkommen in sich geschlossen und ohne Anfang und Ende ist.” Es bleibt also spannend.

Hawking Stephen Hawking: Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit rororo Verlag, Februar 2015, 256 Seiten,14,99 Euro, ISBN  978-3-499-61968-7

Zurück in die Zukunft

Für manchen Film-Fan war der 21. Oktober dieses Jahres ein ganz besonderer Tag. Denn in dem Kino-Kassenschlager „Zurück in die Zukunft II“ ist der 21.10.2015 jener Tag, an dem die Hauptpersonen Marty McFly und Doc Brown in dem Film landen. Über die Unterschiede zwischen Film-2015 und der realen Gegenwart ist in den vergangenen Monaten viel geschrieben worden – „Hoverboards“ gibt es noch nicht, „Der Weiße Hai 19“ ist nie gedreht worden (auch wenn es immerhin einen – nicht ganz ernst gemeinten – Trailer gibt).

Doch die Mehrheit derer, die den Film gesehen haben, zieht ohnehin das echte 2015 jenem im Film vor. Das ist das Ergebnis einer aktuellen YouGov-Umfrage. Demnach hat die Hälfte der Befragten (50 Prozent) den Film mindestens einmal gesehen, etwas weniger als beim ersten (56 Prozent) und etwas mehr als beim dritten Teil (46 Prozent) der Reihe.

Von jenen, die den zweiten Teil kennen, sagen immerhin 58 Prozent der Befragten, dass sie, wenn sie es sich aussuchen könnten, lieber im realen 2015 leben würden. Jeder Dritte würde das fiktive 2015 bevorzugen. Allerdings: Nur drei von zehn Befragten (29 Prozent) glauben, dass Zeitreisen zumindest theoretisch möglich sind. Interessant: Jüngere Menschen glauben eher an die Möglichkeit als ältere. So halten 37 Prozent der 18- bis 24-Jährigen Zeitreisen prinzipiell für möglich, von den Über-55-Jährigen tut dies nur jeder Vierte (25 Prozent).

Zeitreisen möglich

Außerdem würden die Jüngeren – unabhängig, ob sie sie für möglich halten – auch deutlich lieber eine Zeitreise unternehmen als die Älteren: Insgesamt drei von vier Befragten zwischen 18 und 24 (73 Prozent) würden gerne in die Zukunft (29 Prozent) oder die Vergangenheit (44 Prozent) reisen, jeder Fünfte würde darauf verzichten. Bei den Über-55-Jährigen würden doppelt so viele (38 Prozent) keine Zeitreise machen, wenn sie könnten. 33 Prozent von ihnen reisten lieber in die Vergangenheit, 19 Prozent in die Zukunft.

Zeitreisen machen

Auch bei Betrachtung der Gesamtbevölkerung bleibt die Vergangenheit das beliebtere Ziel: 40 Prozent aller Befragten sagen, sie würden gerne eine Zeitreise machen, und zwar am liebsten in die Vergangenheit, 23 Prozent würden in die Zukunft reisen. Drei von zehn Befragten (29 Prozent) sagen, sie würden ganz auf eine Reise durch die Zeit verzichten.

Auf Basis des YouGov Omnibus wurden in Deutschland 1177 Personen im Zeitraum vom 16. bis 20. Oktober 2015 repräsentativ befragt.

PS: Nächsten Freitag erfahren Sie, was Stephen Hawking zu Zeitreisen zu sagen hat.

Die Generationen im Spiegel der Zeit

Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Generationen. Nach dem Krieg war es die Boomergeneration, die sich ihren Namen durch die geburtenstarken Jahrgänge verdiente. Zu ihr kann auch die 68er-Generation gezählt werden, die – geboren zwischen 1940 und 1950 – in der Studentenbewergung der späten 60er-Jahre dominierte. Währenddessen erblickte bereits die Generation X das Licht der Welt, an die sich in Westdeutschland übergangslos die Generation Golf anschloss. Florian Illies, Autor des gleichnamigen Buches, kommt dabei zu dem Ergebnis, dass dieser Generation die Bequemlichkeit wichtiger war als politische Veränderungen. Insofern konnte es nicht sonderlich verwundern, dass dann auch noch die Null-Bock-Generation auftauchte, die irgendwie zu gar nichts mehr Lust hatte. Aber wie das so ist, ganz plötzlich und wie aus dem Nichts erschien die Generation Praktikum auf der Bildfläche, die sich mit un- bzw. schlecht bezahlten Jobs herumschlagen musste. Die wiederum reicht ab Ende der 70er-Jahre in die Generation Y hinein, für die das Leben nicht mehr so planbar ist wie für ihre Eltern und die, durch immer neue Probleme belastet, die Dinge immer stärker hinterfragt. Dazu gehört auch, das Verhältnis von Beruf und Freizeit neu zu justieren – Stichwort work-life-balance. Womit wir schließlich bei der Generation Z wären. Und die könnte sich noch als Problem erweisen. Christian Scholz, BWL-Professor an der Universität des Saarlandes, schrieb einmal über diese Generation, dass sie zu ihren Arbeitgebern „noch weniger Loyalität als zu ihrer Turnschuhmarke“ aufbauen werde. Noch dauert es ja ein wenig, bis diese jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt ankommen. Aber, so Scholz weiter: „Man wird sich spezielle Führungsmuster überlegen, die wesentlich kurztaktiger und ergebnisorientierter ausfallen.“ Aber was kommt dann? Das Alphabet ist durch. Ist das das Ende? Mitnichten. Irgendwie war es doch schon immer so: Keine Generation konnte es den vorangehenden auch nur ansatzweise recht machen. Und dann hat sie sich doch ganz wacker geschlagen. Früher war eben doch nicht alles besser. Insofern könnten man ja einfach bei A anfangen, oder besser gesagt, weitermachen.

Opa1und2  Generationen – gestern und heute.

Leben im digitalen Zeitalter

Es gibt keinen Zweifel mehr: Wir leben im digitalen Zeitalter. Wenn schon Stricken in Wearable Technologies mündet und Pullis die Lautstärke von Smartphones regeln können, dann nähern wir uns dem Menschen 4.0. Und in der Tat hat die Digitalisierung alle Lebensbereiche fest im Griff. Alles wird erfasst, gespeichert und ausgewertet. „Algorithmen sind die kleinen Katalysatoren der großen Datafizierung. Gemeinsam mit Big Data sind sie die Gestaltungsmittel unserer Zeit“, beschreibt es der in San Francisco lebende Innovationsberater und Buchautor Tim Leberecht und nennt das Problem des Algorithmus gleich beim Namen: „Der kann alles, nur kein Mitgefühl.“ Da ist die Befürchtung wohl nicht ganz unbegründet, dass der Mensch irgendwann selber zur Maschine wird. Fabian Hemmert vom Design Research Lab der Universität der Künste warnte denn auch beim Digital Science Match in Berlin vor der „DarthVaderisierung“ der Geselllschaft. Wohl war, vor dem Hintergrund von Wearable City, Smart Mobility, Digital Humanities, Industry 4.0 oder eHealth erscheint das selbstfahrende Auto der Zukunft bereits als guter alter Bekannter. Morgen ist heute bereits gestern. Dabei muss die Frage erlaubt sein, ob wirklich alles verbessert und optimiert werden kann. Immerhin gibt es Gefühle, die sich der Logik von Bits und Byts entziehen. Glaube, Hoffnung, Liebe – nicht von ungefähr werden sie auch die göttlichen Tugenden genannt. „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“, lautet das erste der zehn Gebote und mutet an wie ein Anachronismus in einer Zeit, in der ein Steve Jobs immer noch als “godfather” von Apple gilt. Dabei ist es nicht zuletzt dieser Konzern, der den Weg in die totale Überwachung ebnet. Mit der Apple Watch ist sozusagen die Büchse der Pandora geöffnet worden: Totale Datenerfassung und permanente Selbstoptimierung – um noch einmal Leberecht zu zitieren: Quantifizierbares Selbst. Doch nomen est omen, der Apfel ist angebissen: Es scheint, wir vertreiben uns selber aus dem Paradies.