Archiv für den Monat: Dezember 2015

Sich eine Auszeit nehmen

Sich eine Auszeit nehmen.

Bedeutung: Pause machen, sich eine (Ruhe-)Pause gönnen (im Sport, im Beruf, in einer Beziehung, usw.).

PS: Um die Redewendung noch besser zu veranschaulichen, habe ich beschlossen, mit dem Bloggen auf Z wie Zeit über Weihnachten und Neujahr eine Auszeit zu nehmen. Den nächsten Beitrag gibt es am Freitag, 8. Januar 2016. Bis dahin wünsche ich allen Lesern ein besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und für 2016 Erfolg, Glück und vor allem Gesundheit.

Frohe Weihnachten

Dialog mit der Zeit – eine Ausstellung

Bereits 2030 wird ein Drittel der Bevölkerung in den Industrieländern über 65 Jahre alt sein und auch die Anzahl an Hochbetagten dramatisch zugenommen haben. Insofern ist der demografische Wandel eines der drängendsten politischen Themen, das eine Vielzahl von Fragen aufwirft – für jeden.

Was bedeutet Altern im 21. Jahrhundert? Welche Bedeutung hat das Lebensalter für mich, meine Freunde und Familie, für andere, für uns alle? Welche Vorstellungen habe ich vom Altern? Was bedeutet Altern für mich und die Gesellschaft?

Antworten darauf versucht eine Ausstellung über das Alter und den Prozess des Alterns zu geben, die bereits in Frankfurt und Berlin für Schlagzeilen gesorgt hat und nunmehr in Bern Station macht: Dialog mit der Zeit – Die Kunst des Alterns.

Die Ausstellung will ein differenziertes Bild vom Alter vermitteln, die Angst vor dem Älterwerden mindern, Empathie gegenüber älteren Menschen fördern, Stereotypen hinterfragen und Vorurteile überwinden, den intergenerativen Dialog fördern, Arbeitsmöglichkeiten für ältere Menschen aufzeigen und ein Bewusstsein für die Möglichkeiten im Alter schaffen.

Die Ausstellung besteht aus einer Anzahl von Stationen, an denen unterschiedliche Aspekte des Alterns in kreativer und spielerischer Art und Weise aufgenommen werden. Die Vermittlung erfolgt durch Senioren, die alle 70 Jahre und älter sind. Sie sind die Experten und führen diesen ganz besonderen inter-generativen Dialog, um Fehlannahmen und Ängste abzubauen oder Klischees und Vorurteile zu überwinden. Sie demonstrieren eindrücklich, dass selbst im hohen Alter sehr viele Perspektiven bestehen, um die in einem langen Leben erworbenen Potentiale für sich und die Gesellschaft zu nutzen.

Noch bis zum 10. Juli 2016 kann man die Ausstellung besuchen, die im Museum für Kommunikation Bern stattfindet. Und wen interessiert, wer die Macher der Ausstellung sind und was sie zu der Ausstellung bewegt hat, kann das auf der Webseite der Ausstellung nachlesen.

Die innere Uhr von “Lerchen” und “Eulen”

Woher weiß der Mensch, welche bzw. was die Stunde geschlagen hat? Normalerweise schaut er auf eine Uhr und weiß, wie spät es ist. Danach richtet er sein Verhalten aus. Morgens, mittags und abends isst er etwas, dazwischen arbeitet bzw. schläft er. Aber was geschieht, wenn der Mensch keine Uhr zur Hand hat? Erstaunlicherweise verhält er sich fast gleich. Denn er besitzt eine innere Uhr, die bestimmt, was Gehirn und Körper wann machen.

Diese innere Uhr sitzt im Gehirn und ist ein Nervenkern, der gerade einmal so groß ist wie ein Reiskorn. Seinen Namen „suprachiasmatischer Nucleus“ (SCN) hat er aufgrund seiner Lage erhalten, die sich auf Höhe des Nasenrückens über der Kreuzung (Chiasma) der Sehbahnen befindet. Er reagiert vor allem auf Lichtunterscheide, die ihm von der Netzhaut übermittelt werden. So regelt beispielsweise der so entwicklte Tag-Nacht-Rhythmus die Arbeits- und Ruhephasen. Aber auch Hirnfunktionen und Hormone wirken auf den Nucleus ein und geben den Takt an.

IMG_1376Die innere Uhr des Menschen hat zwar keine Räder, geht aber trotzdem ziemlich genau.

Die innere Uhr steuert dabei den Blutdruck, die Körpertemperatur und den Hormonhaushalt. So lässt sie nachts den Blutdruck sinken und die Atmung flacher werden. Während sozusagen nächtliche Erholungs- und Reperaturprogramme laufen, schalten Geist und Körper auf Sparflamme. Zwischen drei und vier Uhr nachts ist der abolute Tiefpunkt der Leistungskurve erreicht, die gegen Morgen wieder ansteigt und von elf bis zwölf Uhr sowie um 17 Uhr am höchsten steht. Dazwischen, so gegen 14 Uhr, bricht sie ziemlich ein.

Neben der inneren Uhr gibt es aber auch noch andere Biorhythmen, die Einfluss auf den Tagesablauf des Menschen haben. Chronobiolgie heißt eine neue interdisziplinäre Wissenschaft, die die Zusammenhänge zwischen Biorhythmus sowie inneren und äußeren (Umwelt-)Faktoren untersucht und Rückschlüsse auf die Lebensführung zieht.

Schlafforscher und Zeitbiologen haben dabei auch zu berücksichtigen, dass es verschiedene Zeittypen gibt: Frühaufsteher, genannt „Lerchen“, und Morgenmuffel, genannt „Eulen“. Lerchen stehen morgens früh auf, sind ziemlich schnell fit, schlafen abends allerdings auch eher ein. Ihre Uhr geht etwas zu schnell, so dass ihr innerer Tag nur rund 24 Stunden dauert. Der der Eulen dagegen hat etwa 25 Stunden, was sich dadurch bemerkbar macht, dass sie Nachtmenschen sind und ziemlich spät ins Bett gehen.

Mehr Zeitgestaltung und weniger Zeitverwaltung

Mit den Zeitwelten im Management kennt er sich aus: Bruno Staffelbach , Professor für Human Resource Management an der Universität Zürich. In einem Aufsatz von 2009 unter der Überschrift „Der Mensch als Ferrari“ behandelt er die Frage, wie in heutigen Organisationen Zeit kontrolliert wird. „Obwohl in der Ökonomik relativ wenig thematisiert, ist die ‚Zeit’ für den ökonomischen Erfolg in der heutigen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung.“ Der Schnellere gewinne den Wettbewerb, nicht der Größere. Produktiver sei, wer weniger Zeit brauche, und rationalisieren heiße Zeit sparen: „Je mehr man gleichzeitig tun kann, desto besser!“ Wer die Kontrolle über die Zeit habe, habe das Sagen. Dabei sei das Problem „nicht neu: Mit ‚keine Zeit, keine Zeit’ rannte schon das Kaninchen durch Alices Wunderland, und in Momos Welt wollten Zeitdiebe das unbeschwerte Leben in Rauch und Profit auflösen. Seit jeher sind die Tage im Jahr gleich lang. Warum wird denn die Zeit immer knapper?“, fragt Betriebswirtschaftler und gibt als Zwischenfazit aus: „Unternehmen haben ihre Zeitwelten. In diesen Welten stehen verschiedene Entwicklungsrhythmen nebeneinander. Die längeren Rhythmen werden in Zeitabschnitte gespalten, wo das Zeitliche das Sachliche dominiert und wo im Zeitlichen das Befristete herrscht. Die Knappheit zwingt zur Beschleunigung und zur Reduktion von Zielniveaus. In diese (Zeit-)Welt tritt nun der Zeitmanager ‚Homo Sapiens’.“

Der Homo Sapiens handele, so Staffelbach, rational – im Rahmen der Grenzen, die ihm die Verarbeitungskapazität des Gehirns stelle. Für das Zeitmanagement habe er drei entscheidende Schwächen:

  • er sei vergesslich,
  • er unterschätze den Aufwand und
  • er diskontiere künftige Konsequenzen.

Kombiniere man die Zeitknappheit und die Dominanz des Befristeten in den Zeitwelten der Unternehmen mit der Vergesslichkeit und der Kurzfristorientierung der Menschen in diesen Unternehmen, so ergebe sich daraus ein homo oeconomicus mit dem Leistungswillen und mit der Leistungsfähigkeit eines Ferrari.

Kaum sei das Zeichen zum Start gegeben, so der Professor weiter, beschleunige er in Sekunden von null auf 180. Er sei für Geschwindigkeiten geschaffen, in welcher alles auf Gegenwart schrumpfe und jegliches jederzeit gleich dringlich sei oder werde: bremsen, schalten, Gas geben, Blick nach vorn und nach hinten, gesteuert durch Konkurrenz, Kontrolle, Zeitmessung. Das sei – wie Marlis Prinzing 2003 in der Neuen Zürcher Zeitung geschrieben habe – der Ferrari-Manager und zitiert: „Das Gaspedal ist durchgedrückt, übers Handy diktiert er einen Brief, simultan fliegen seine Gedanken zum nächsten Vertragsabschluss. Über Mittag strampelt er auf dem Hometrainer, wirft gleichzeitig einen Blick auf Fernsehnachrichten und Aktienkurse und kaut ein biodynamisches Käsesandwich. Im Theater checkt er Mails und die Stückzusammenfassung für den Pausen-Smalltalk, kurz vor Mitternacht versinkt der Held der Zeit im Taxipolster und im Terminplan für den nächsten Tag. … Jede gewonnene Minute wird reinvestiert im Dienste der Lebensbilanz: Karriere geschafft, Familie erledigt, Gesundheit überwunden, Chill-out im Exitus.“

Dabei gibt Staffelbach zu bedenken: „Unsere Tage sind gezählt. Diese Zeit ist gegeben – nicht aber die Zeiten in den Unternehmen. Diese Zeiten sind gemacht, sozial konstruiert, und sie werden individuell erlebt und erfahren.“ Für die meisten von uns sei die Zeit eine harte Realität. Sie sei Gebieterin über alles, was wir täten. Das sei auch die Wirklichkeit des High-Speed-Managers, welcher im Seminar zum Zeitmanagement Hilfe suche. Über ihm liege aber ein Regime, eine Zeitordnung, die ihm die Rhythmen vorgebe, die seine Zeitverhältnisse bestimme und die sage, was schnell, pünktlich und rechtzeitig sei. Die Einen bestimmten die Planungs-, Entscheidungs- und Sitzungsrhythmen, die Anderen schwängen mit.

Die Einen legten Zeitpunkte fest, zum Beispiel für einen Markteintritt oder für einen Firmenverkauf, für Andere seien dies Deadlines. Der Zeitplan der Einen werde zum Zeitdiktat der Anderen. Die Gegenwart in den Plänen der Obigen sei die Zukunft der Nachgeordneten. Die Einen hätten Zeit, die Anderen seien in der Zeit.

„Wehe“, warnt der Wissenschaftler, „ wenn ‚die da oben’ die meiste Zeit für die Planung beanspruchen, wo doch die Umsetzung zählt, und wehe, wer schneller sein will, indem man auf Reservezeit verzichtet!“ Kein Seminar zum Zeitmanagement könne günstige Augenblicke zurückbringen, Zeithorizonte umkehren und das Ticken verschiedener Uhren vereinheitlichen. Mit einem schlechten Zeitregime im Unternehmen verliere man mehr, als man mit dem besten Seminar zum Zeitmanagement wettmachen könne. Und, so schließt Staffelbach: „Konzentrieren wir uns also mehr auf die Zeitgestaltung und weniger auf die Zeitverwaltung!“