Archiv für den Monat: Februar 2016

Die juristische Sekunde ist ein Zeitpunkt

Auf so etwas können vermutlich nur Juristen kommen. Da denken die sich eine juristische Sekunde aus und behaupten dann: Die zeitliche Ausdehnung ist exakt null. Vielmehr handele es sich um einen gedachten Augenblick im Sinne eines fiktiven Zeitpunkts und nicht um eine Sekunde im Sinne einer Zeiteinheit.

Im römischen Recht hieß diese juritische Sekunde ünrigens noch logische Sekunde, mit der sich vor allem ein Rechtsgelehrter namens Gnaeus Arulenus Caelius Sabinus (um 69 n. Chr.) beschäftigt hat.

Man muss sich das so vorstellen: Es ist der 31. Dezember 2016. Der Tag würde normalerweise um 24:00 Uhr enden und der 1. Januar 2017 um 0:00 Uhr beginnen. Das Ende des einen Jahres ist also punktgenau gleichzeitig der Anfang des neuen Jahres. Diesen Zeitpunkt nennt man juritsische Sekunde. Er ist eine gedankliche Hilfskonstruktion, mit der der Zeitpunkt des Übergangs von Rechten von einem Rechtssubjekt zu einem anderen beschrieben wird.

24 Uhr Das ist sie, die juristische Sekunde.

Juristen könnten jetzt noch eine Menge dazu sagen bzw. schreiben. Doch darauf soll hier und jetzt zu Gunsten eines Juristenwitzes verzichtet werden:

Ein Arzt, ein Architekt und ein Anwalt streiten darüber, welcher ihrer Berufe der älteste ist.

Der Arzt ist felsenfest davon überzeugt, dass er den ältesten Beruf hat: “Gott schuf Eva, indem er eine Rippe von Adam nahm. Also war Gott selbst Chirurg – und die Ärzte haben den ältesten und damit ehrwürdigsten Beruf der Welt, wie es ihnen auch selbstverständlich zukommt.”

Der Architekt hält vehement dagegen: “Gott selbst schuf die Welt, davor war nur das CHAOS. Gott selbst war also der erste Architekt – lange bevor Eva aus der Rippe Adams erschaffen wurde! Architekt ist der älteste Beruf der Welt!”

Der Anwalt grinst nur, zieht genüsslich an seiner Zigarre und entgegnet: “Das alles ist ja richtig, meine Herren. Aber was glauben Sie wohl, wer das CHAOS erschaffen hat?”

Es ist niemals zu spät

Man darf niemals “zu spät” sagen. Auch in der Politik ist es niemals zu spät. Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang.

Konrad Adenauer, deutscher Politiker und erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (* 1. Januar 1876 in Köln; † 19. April 1967 in Rhöndorf/Rhein)

Beim Zeitgefühl ziemlich unzuverlässig

Wer den Roman „Momo“ von Michael Ende kennt, weiß, dass man Zeit nicht sparen kann. Vielmehr führt der Versuch dazu, dass die Tage und Wochen „kürzer“ und die Zeitsparer um ihre Zeit betrogen werden.

Warum es ausgerechnet ein Kind ist, das den Menschen die Zeit zurückbringt, erschließt sich auf den ersten Blick nicht unbedingt. Wenn man genauer darüber nachdenkt, macht es jedoch durchaus Sinn. Denn kaum ein Wesen lebt so konzentriert im Hier und Jetzt wie ein Kind.

Und das hatten die Menschen in Endes Roman eben vergessen. Abgesehen von den „grauen Herren“ ist natürlich ein Grund für den Zeitverlust auch, dass Zeit ein relativer Begriff ist. Die Zeit vergeht wie im Fluge, kann aber auch still stehen.

„Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität“, hat Albert Einstein einmal gesagt. Und der muss es ja wissen. Hat er doch die Relativitätstheorie entwickelt.

Die Frage, die sich stellt, ist relativ einfach: Haben Menschen ein Zeitgefühl? Und wenn ja, wie funktoniert es?

Untersuchungen haben ergeben, dass es im Gehirn keine speziellen Zellen oder Regionen gibt, die für eine Zeitmessung zuständig sind. Vielmehr scheint es so zu sein, dass unsere Zeiteinschätzung davon abhängig ist, wie intensiv die geistige Tätigkeit ist. Finden viele Denkprozesse statt, dauert die Zeit länger, finden wenige Denkprozesse statt, dauert die Zeit kürzer.

Ein gutes Beispiel hierfür ist, dass in aller Regel die unbekannte Hinfahrt zu einem Ort gefühlt länger dauert als die Rückfahrt, bei der die Gegebenheiten schon von der Hinfahrt bekannt sind.

Allerdings gibt es auch das Phänomen, dass man, wenn man völlig in einer Tätigkeit aufgeht, sich in der Zeit verliert. Es finden zwar viele Denkprozesse statt, aber man fühlt keine Zeit mehr.

Diese Unzuverlässigkeit des Menschen in Sachen Zeitgefühl dürfte denn auch die Motivation gewesen sein, sich mit dem Thema Zeitmessung zu beschäftigen. Die ersten Sonnenuhren gab es zirka 4000 v.Chr. und maßen die Zeit noch sehr grob und ungenau. Heute sind Zeitmessungen möglich, bei denen Hundertstel und Tausendstel nicht einmal die kleinsten Zeiteinheiten sind.

Die Prager Rathausuhr

Astronomische Uhren sind ein Wunderwerk von Wissenschaft und Technik. Mechanisch betrieben zeigen sie neben der Uhrzeit auch astronomische Sachverhalte an, wie die Lage von Sonne und Mond über dem Horizont und im Tierkreis, die Mondphasen und in seltenen Fällen auch die Stellungen der großen Planeten am Himmel.

Insbesondere zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert wurden großartige astronomische Uhren hergestellt – und das überall in Europa. Ganz bemerkenswerte Exemplare sind Astrolabiumsuhren. Das Besondere an ihnen ist, das bei ihnen unter anderem die Sternenscheibe (Rete) eines Astrolabiums mit Hilfe des Uhrwerks gleichmäßig gedreht wird.

Eine der bekanntesten Uhren dieser Art weltweit ist die Prager Rathausuhr, auch Aposteluhr oder Altstädter Astronomische Uhr genannt, die sich an der Südmauer des Altstädter Rathauses befindet.

Gebaut wurde sie in mehreren Phasen. Das mechanische Uhrwerk mit dem astronomischen Ziffernblatt wurde 1410 von dem Uhrmacher Mikuláš z Kadaně nach den Plänen von Jan Šindel gebaut. Dann kam um 1490 unterhalb des astronomischen Zifferblattes ein Kalender hinzu, eine Arbeit der Uhrmacher Jan Růže und Jakub Čech.

Prager RathausuhrDie Prager Rathausuhr, ein Meisterwerk von Wissenschaft und Technik.

Im Jahr 1551 wurde Jan Táborský z Klokotské Hory vom Prager Stadtrat für die Wartung und Wiederherstellung des Werkes der Rathausuhr berufen. Er hat den Kalendarium-Antrieb und die halbe Stunde eingeführt. Außerdem installierte er zwei Sonnenuhren auf beiden Seiten des Zifferblattes.

Erst im 17. Jahrhundert wurde die Uhr beiderseits der Zifferblätter durch Figuren (Automaten) ergänzt. Die Existenz der Apostel ist erst seit 1860 historisch belegt. Die Figur des Hahnes kam schließlich 1882 hinzu. Im Laufe der Jahrhunderte blieb die Uhr viele Male stehen und musste repariert werden. Eine der umfangreichsten Reparaturen in der Geschichte der Uhr erfolgte 1866.

Während des Prager Aufstands, in den letzten drei Tagen des Zweiten Weltkrieges, schossen die letzten deutschen Panzer vom Prager Hügel Letná den neugotischen Ost- und Nordflügel des Rathauses in Brand, wobei die Uhr sowohl durch direkten Beschuss als auch durch das ausgebrochene Feuer schwer beschädigt wurde. Dennoch gelang es, das historische Werk zu restaurieren und die astronomische Uhr insgesamt in ihrer ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen.

Die Apostel, die heute zu sehen sind, wurden vom Bildhauer Vojtěch Sucharda erst 1948 gefertigt. Nur zwei der ursprünglichen Figuren haben im Prager Stadtmuseum überlebt.