Archiv für den Monat: März 2016

Wie der Zahn der Zeit an einem nagt

“Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding.
Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts.
Aber dann auf einmal,
da spürt man nichts als sie”,
singt die Marschallin in der von Hugo von Hofmannsthal getexteten Oper Der Rosenkavalier. Vermutlich spielt der Autor des Libretto auf die Vergänglichkeit an, auf die Vergänglichkeit des Lebens.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass es für das Altwerden, das Älterwerden, eine ganze Reihe von Formulierungen gibt, die mal mehr, mal weniger charmant sind. Dem Lebensabend entgegengehen ist ja noch ganz nett, auch dahinaltern geht gerade noch, aber dass da ein Zahn an einem nagt, nämlich der Zahn der Zeit, ist schon eine merkwürdige Vorstellung.

Wie das Altern von statten geht, beschreibt ziemlich einmalig Hajo Schumacher in seinem Buch Restlaufzeit: „Ab 20 plagen vor allem Frauen die erste Krampfadern. Ab 25 setzt die geistige Alterung ein, was aber noch nicht auffällt, jedenfalls nicht so stark wie die ersten Falten. Ab 30 zeigen sich Anzeichen von Bluthochdruck und erste graue Haare, wenn sie nicht schon ausfallen. Ab 35 folgen Anzeichen von Gelenkverschleiß und erste rheumatische Beschwerden. Ab 40 droht verschärfte Vergesslichkeit, Altersflecken, Grüner Star, Alterszucker, Infarkte nehmen zu. Zugleich schrumpft der Körper, Potenzprobleme werden akut, die Lesebrille droht. Ab 50 steigt das Schlaganfallrisiko, Inkontinenz beschäftigt uns sowie zunehmende Schwerhörigkeit. Ab 60 kommt der Graue Star, Osteoporose und – da ist sie – die Mundtrockenheit, an der etwa vierzig Prozent der Senioren leiden. Mangelndes Durstempfinden führt zu Flüssigkeitsmangel, was wiederum Stoffwechselprobleme begünstigt. Genaueres erklärt später der Arzt. Und dann kommt die Demenz.“

Altwerden ist nichts für Feiglinge, wusste schon der verstorbene Joachim Fuchsberger. Obwohl?!? Wer keine Falten hat, hat auch nichts erlebt, hieß es mal in einer Werbung, die insofern irgendwie auch Mut machte und es insofern dahingestellt sein ließ, ob das Gesicht wirklich der Spiegel der Seele ist.

Aber am Ende nützt alles nichts. Die Uhr tickt, für den verstorbenen Berliner Lyriker Adolf Endler gar ein “Zeitzünder”, der da “im Gebälk tickt”. Was bleibt also? Die Hoffnung, die stirbt bekanntlich zuletzt.