Archiv für den Monat: April 2016

Zeit für Zukunft

Die Zukunft war früher auch besser, glaubte jedenfalls Karl Valentin. Und zuweilen möchte man meinen, dass das noch heute gilt. Insofern ist es überaus erfreulich, wenn sich hierzulande Menschen Zeit für Zukunft nehmen.

Zeit für Zukunft – Mentoren für Kinder e.V. ist ein gemeinnütziges, ehrenamtliches Mentorenprogramm zur individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahren in Hamburg und Umgebung. „Nicht alle Kinder haben gleich gute Startbedingungen im Leben. Da kann es helfen, wenn noch eine Bezugsperson außerhalb von Elternhaus und Schule für sie da ist: Jemand, mit dem sie Schönes erleben, aber auch ihre Sorgen teilen können. Dafür sind unsere Mentoren da. Sie sind Zuhörer, Mutmacher, Freunde und Chancengeber“, heißt es auf der Webseite des Vereins.

Die Mentoren sollen auch Rollenvorbilder sein. Deshalb bekommen Mädchen eine Mentorin und Jungen einen Mentor an die Seite gestellt. Die sogenannten Tandems aus Mentor (Erwachsener) und Mentee (Kind) sind langfristig angelegt und bestehen mindestens ein Jahr. Durch die 1:1-Beziehungen soll den Kindern geholfen werden, ihr Potenzial zu entfalten.

Zeit für ZukunftZeit für Zukunft – ein Mentorenprogramm für Kinder und Jugendliche in und um Hamburg.

„Wir erhöhen erwiesenermaßen die Bildungs- und Teilhabechancen, denn diese sind in Deutschland ungleich verteilt. Langfristig fördern wir mit unserem Verein somit den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, sagt die Richterin Kathrin Sachse vom Vorstand, in dem sie den Verein gemeinsam mit einem hochqualifizierten Team führt. Der Vorstand – bestehend aus einer Sozialarbeiterin, einem Controller, einer Unternehmensberaterin und einer Grafik-Designerin – erhält tatkräftige Unterstützung von 15 weiteren Personen mit den unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen: „Unsere Vereinsmitglieder bringen sich mit ihrer Kompetenz und ihrem Engagement in die Weiterentwicklung unseres Programmes ein.“ Die knapp 20 Mitglieder sind selbst Mentoren und arbeiten ehrenamtlich – ebenso wie die Vorstände. Insgesamt engagieren sich bislang bei Zeit für Zukunft rund 60 Mentoren für ihre Mentees – und die Zahl wächst kontinuierlich.

Der Verein legt viel Wert auf sorgfältig vermittelte und professionell betreute Patenschaften. Die Mentoren durchlaufen ein mehrstufiges Auswahlverfahren und nehmen an einem Einführungsworkshop teil. Je nach Persönlichkeit, Interessen und Wohnort werden passende Tandems aus Kind und Mentor zusammengestellt.

Betreut wird eine große Vielfalt an Kindern. Durch die weit gefasste Altersstruktur können sich Kinder zwischen 6 und 16 Jahren bewerben. Sie kommen aus unterschiedlichen Lebenssituationen. Einige haben Migrationshintergrund, andere wachsen in sozial bedürftigen Familien oder mit einem alleinerziehenden Elternteil auf. Sie haben kleine oder große Schwächen, Handicaps oder einfach nur das Bedürfnis nach einer weiteren Bezugsperson.

Von Zeit und stehlen

Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und einem doch das kostbarste stehlen: die Zeit.

Napoleon, französischer General, revolutionärer Diktator und Kaiser (* 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika als Napoleone Buonaparte, † 5. Mai 1821 in Longwood House auf St. Helena im Südatlantik)

1.260 Wörter, in denen die “Zeit” vorkommt

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie oft das Wort “Zeit” in der deutschen Sprache vorkommt? Nein!?! Macht nichts, denn es gibt ja andere Menschen, die das für Sie tun.

Also, das Ergebnis lautet: 1.260 Mal, das Wort “Zeit” und dessen Deklinationen nicht mitgerechnet.

Nun gibt es Worte, die mit “Zeit-” bzw. “zeit-” beginnen oder mit “-zeit” enden. Auch gibt es Worte, in denen “-zeit-” irgendwo zwischen Anfang und Ende steht. Aber schauen wir einmal näher hin.

Worte, die mit “Zeit-” bzw. “zeit-” beginnen, gibt es 327. Nimmt man die alphabetische Reihenfolge beginnt die Wörterreihe mit “Zeit-Zonen-Tarif” und endet mit “Zeitzuschlagfaktor”. Sortiert man die Wörterreihe nach Länge, stößt man zunächst auf das aus sechs Buchstaben bestehende Wort “zeitig”. Am Ende steht dann das mit 27 Buchstaben konstruierte Wort “Zeitmultiplexdurchschaltung”. Betrachtet man die nach Länge sortierte Reihe näher, fällt auf, dass es ab sechs Buchstaben durchgängig bis zu 24 Buchstaben geht und bis 27 Buchstaben nur Worte fehlen, die 25 bzw. 26 Buchstaben haben.

Mit 572 haben die Worte, die mit “-zeit” enden, ein deutliches Übergewicht. Hier beginnt die alphabetische Wörterreihe mit “Abarbeitungszeit” und endet mit “Zykluszeit”. Das kürzeste Wort in dieser Reihe lautet mit sechs Buchstaben “Gezeit”, das längste mit 26 Buchstaben “Thrombozytenüberlebenszeit”, wobei in dieser Reihe zwischen sechs und 26 Buchstaben keine Lücke klafft.

Nach Adam Riese fehlen also noch die 361 Wörter mit “-zeit-” irgendwo in der Mitte, die sich von ihrer Menge her ebenfalls in der Mitte befinden. Den Anfang macht da in der alphabetischen Reihenfolge die “Abendzeitung”, der am andere Ende “zwischenzeitlich” gegenübersteht. Das kürzeste Wort ist mit acht Buchstaben “Gezeiten”, das längste Mit 24 Buchstaben “Vierteljahreszeitschrift”, wobei es auch hier zwischen acht und 24 Buchstaben keinen Aussetzer gibt.

Bleibt abschließend die Frage zu klären, ob man das alles nun wissen muss. Ganz so leicht ist das gar nicht zu beantworten, vor allem in einer Zeit, in der “Handbücher des nutzlosen Wissens” nach wie vor beliebte Mitbringsel und die Quizshows im Fernsehen nicht mehr zu zählen sind. Auf jeden Fall dürften Sie bei einer Party die Gäste erst einmal ziemlich sprachlos machen, wenn Sie die Frage in den Raumstellen: “Kennt jemand ein Wort mit 25 Buchstaben, das mit “Zeit-” bzw. “zeit-” beginnt?”

Über die Zeit und das Schreiben

„Entschuldige die Länge des Briefes, ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen.“ Diese Zitat soll von Wolfgang Johann von Goethe stammen. In anderen, leicht abgewandelten Varianten – wie etwa “Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen einen langen Brief schreibe, für einen kurzen habe ich keine Zeit.” – wird es aber auch Voltaire, Mark Twain und Karl Marx zugeschrieben. Auch Charlotte von Stein zitiert man ähnlich: “Lieber Freund, entschuldige meinen langen Brief, für einen kurzen hatte ich keine Zeit“, habe sie an Goethe geschrieben, heißt es.

Wie dem auch sei: Im Kern geht es darum, dass es in aller Regel schwieriger ist, sich kurz zu fassen, als sich langatmig über ein Thema auszulassen. Das gilt für Briefe gleichermaßen wie für alle anderen Texte.

Insofern kann es nicht verwundern, dass es zu diesem Thema auch eine ganze Reihe prägnanter Zitate und Aussagen gibt. Das wohl bekannteste lautet „In der Kürze liegt die Würze“ und kommt als Sprichwort daher. Für den französischen Schriftsteller Jules Renard stellte sich das so dar: „Sobald eine Wahrheit aus mehr als fünf Zeilen besteht, nähert sie sich schon dem Roman.“ Der deutsche Dichter Gottfried Benn glaubte: „Für das Zustandekommen eines guten Buches ist der Radiergummi oft wichtiger als der Bleistift.“ Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain befand: „Schreiben ist leicht – man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ Für seinen Landsmann John Steinbeck war klar: „Wenn einem Autor der Atem ausgeht, werden die Sätze nicht kürzer, sondern länger.“ Und der schwedische Journalist Sakari Pitkänen ist der felsenfesten Überzeugung: „Jede gute Geschichte kann man in fünfzehn Zeilen erzählen.“

Da dieser Text nun schon länger ist, soll er ganz schnell mit einem Zitat von Erich Kästner enden, der wohl den strengsten Maßstab anlegt hat: “Wer was zu sagen hat, hat keine Eile./ Er läßt sich Zeit und sagt’s in einer Zeile.”

Über die schnelle Flucht der Zeit

Die Sanduhren erinnern nicht bloß an die schnelle Flucht der Zeit, sondern auch zugleich an den Staub, in welchen wir einst verfallen werden.

Georg Christoph Lichtenberg, Mathematiker und erster deutscher Professor für Experimentalphysik (* 1. Juli 1742 in Ober-Ramstadt bei Darmstadt; † 24. Februar 1799 in Göttingen)

Die “Stimmen der Zeit”

15 Jesuitenzeitschriften gibt es europaweit. Eine davon sind die „Stimmen der Zeit“, die 1871 unter dem Namen „Stimmen aus Maria Laach“ gegründet wurden.

Diese älteste Kulturzeitschrift Deutschlands blickt denn auch auf eine bewegte Geschichte zurück. Schon kurz nach ihrer Gründung traf die Zeitschrift die Verbannung des Ordens aus Deutschland durch Bismarcks Jesuitengesetz von 1872, so dass die Redaktion Zuflucht in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden suchte. Erst 1914 endete das Exil, von wo aus sich die Redaktion in München ansiedelte. Und aus den „Stimmen aus Maria Laach“ wurden die “Stimmen der Zeit“.

Zur Begründung für die Umbenennung hieß es in der ersten Ausgabe der Zeitschrift von 1914 u.a.: „Der Zeit wollte sie dienen, ohne ihr zu gehrochen, aus ihrer Zeit für die Zeit, zeitgemäß und zeitlos zugleich. Die ‚Stimmen aus Maria Laach‘ waren und sind Stimmen der Zeit, und so sollen sie in Zukunft auch heißen.“

Doch schon bald nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erregte das Kulturblatt deren Missfallen, so dass schließlich 1941 das Redaktionsgebäude konfisziert und die Zeitschrift verboten wurde. Mitglied der Redaktion war damals Alfred Delp, Jesuit und Mitglied des Kreisauer Kreises im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Deswegen verurteilte ihn der Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler zum Tode durch den Strang. Das Urteil wurde noch kurz vor Kriegsende, am 2. Februar 1945, in Berlin-Plötzensee vollstreckt, seine Asche auf den Berliner Rieselfeldern verstreut. Kurz vor seinem Tod soll er zum Gefängnispfarrer gesagt haben: „In wenigen Augenblicken weiß ich mehr als Sie.“ Im Oktober 1946 durfte die Kulturzeitschrift wieder erscheinen und widmete ihren ersten Beitrag Delp, dessen Vater unser aus seinen Gefängnisschriften beleuchtet wurde.

Den Neuaufbruch der katholischen Theologie in den 50er Jahren begleiteten die „Stimmen der Zeit“ ebenso wie das Zweite Vatikanische Konzil mit seiner Öffnung der Kirche gegenüber der modernen Welt, indem sie sich nach eigenem Bekunden „für einen offenen Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft“ eingesetzt hat. Wichtige Leitlinien waren „dabei die Grundorientierungen des Jesuitenordens, wie sie von den letzten Generalkongregationen vorgegeben wurden: die Einsicht, dass Glaubensverkündigung in der heutigen Welt nicht ohne einen entschiedenen Einsatz für die Gerechtigkeit möglich ist, sowie die Herausforderungen des interreligiösen Dialogs und der Inkulturation der christlichen Botschaft.“

„Neben kirchlichen und theologischen Themen suchen die ‚Stimmen der Zeit‘“, heißt es auf deren Webseite weiter, „die geistige Auseinandersetzung mit der Gesamtproblematik der Zeit in Gesellschaft, Politik, Naturwissenschaft, Literatur, Kino und Kunst. Dabei möchte die Zeitschrift helfen, in der Pluralität der Meinungen und weltanschaulichen Überzeugungen einen eigenen, differenzierten Standpunkt zu finden.“ Autoren sind insofern nicht nur Jesuiten, sondern auch die der verschiedensten Fachrichtungen.

Die Auflage beträgt heute 5.000 Exemplare. Leser dürften die „Stimmen der Zeit“ indes weit mehr haben, da sie in Instituten und Bibliotheken ausliegen. Würde man alle bislang erschienen 234 Bände dort zur Verfügung stellen wollen, müsste man rund 12 Meter Bücherregal reservieren. Nicht viele Medien haben eine so lange Geschichte.