Beim Zeitgefühl ziemlich unzuverlässig

Wer den Roman „Momo“ von Michael Ende kennt, weiß, dass man Zeit nicht sparen kann. Vielmehr führt der Versuch dazu, dass die Tage und Wochen „kürzer“ und die Zeitsparer um ihre Zeit betrogen werden.

Warum es ausgerechnet ein Kind ist, das den Menschen die Zeit zurückbringt, erschließt sich auf den ersten Blick nicht unbedingt. Wenn man genauer darüber nachdenkt, macht es jedoch durchaus Sinn. Denn kaum ein Wesen lebt so konzentriert im Hier und Jetzt wie ein Kind.

Und das hatten die Menschen in Endes Roman eben vergessen. Abgesehen von den „grauen Herren“ ist natürlich ein Grund für den Zeitverlust auch, dass Zeit ein relativer Begriff ist. Die Zeit vergeht wie im Fluge, kann aber auch still stehen.

„Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität“, hat Albert Einstein einmal gesagt. Und der muss es ja wissen. Hat er doch die Relativitätstheorie entwickelt.

Die Frage, die sich stellt, ist relativ einfach: Haben Menschen ein Zeitgefühl? Und wenn ja, wie funktoniert es?

Untersuchungen haben ergeben, dass es im Gehirn keine speziellen Zellen oder Regionen gibt, die für eine Zeitmessung zuständig sind. Vielmehr scheint es so zu sein, dass unsere Zeiteinschätzung davon abhängig ist, wie intensiv die geistige Tätigkeit ist. Finden viele Denkprozesse statt, dauert die Zeit länger, finden wenige Denkprozesse statt, dauert die Zeit kürzer.

Ein gutes Beispiel hierfür ist, dass in aller Regel die unbekannte Hinfahrt zu einem Ort gefühlt länger dauert als die Rückfahrt, bei der die Gegebenheiten schon von der Hinfahrt bekannt sind.

Allerdings gibt es auch das Phänomen, dass man, wenn man völlig in einer Tätigkeit aufgeht, sich in der Zeit verliert. Es finden zwar viele Denkprozesse statt, aber man fühlt keine Zeit mehr.

Diese Unzuverlässigkeit des Menschen in Sachen Zeitgefühl dürfte denn auch die Motivation gewesen sein, sich mit dem Thema Zeitmessung zu beschäftigen. Die ersten Sonnenuhren gab es zirka 4000 v.Chr. und maßen die Zeit noch sehr grob und ungenau. Heute sind Zeitmessungen möglich, bei denen Hundertstel und Tausendstel nicht einmal die kleinsten Zeiteinheiten sind.

Ein Gedanke zu „Beim Zeitgefühl ziemlich unzuverlässig

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