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Über die Zeit und das Schreiben

„Entschuldige die Länge des Briefes, ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen.“ Diese Zitat soll von Wolfgang Johann von Goethe stammen. In anderen, leicht abgewandelten Varianten – wie etwa “Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen einen langen Brief schreibe, für einen kurzen habe ich keine Zeit.” – wird es aber auch Voltaire, Mark Twain und Karl Marx zugeschrieben. Auch Charlotte von Stein zitiert man ähnlich: “Lieber Freund, entschuldige meinen langen Brief, für einen kurzen hatte ich keine Zeit“, habe sie an Goethe geschrieben, heißt es.

Wie dem auch sei: Im Kern geht es darum, dass es in aller Regel schwieriger ist, sich kurz zu fassen, als sich langatmig über ein Thema auszulassen. Das gilt für Briefe gleichermaßen wie für alle anderen Texte.

Insofern kann es nicht verwundern, dass es zu diesem Thema auch eine ganze Reihe prägnanter Zitate und Aussagen gibt. Das wohl bekannteste lautet „In der Kürze liegt die Würze“ und kommt als Sprichwort daher. Für den französischen Schriftsteller Jules Renard stellte sich das so dar: „Sobald eine Wahrheit aus mehr als fünf Zeilen besteht, nähert sie sich schon dem Roman.“ Der deutsche Dichter Gottfried Benn glaubte: „Für das Zustandekommen eines guten Buches ist der Radiergummi oft wichtiger als der Bleistift.“ Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain befand: „Schreiben ist leicht – man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ Für seinen Landsmann John Steinbeck war klar: „Wenn einem Autor der Atem ausgeht, werden die Sätze nicht kürzer, sondern länger.“ Und der schwedische Journalist Sakari Pitkänen ist der felsenfesten Überzeugung: „Jede gute Geschichte kann man in fünfzehn Zeilen erzählen.“

Da dieser Text nun schon länger ist, soll er ganz schnell mit einem Zitat von Erich Kästner enden, der wohl den strengsten Maßstab anlegt hat: “Wer was zu sagen hat, hat keine Eile./ Er läßt sich Zeit und sagt’s in einer Zeile.”