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Betrachtung der Zeit

Als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barock gilt der Dichter und Dramatiker Andreas Gryphius (* 2. Oktober 1616 in Glogau; † 16. Juli 1664 ebenda). Der frühe Verlust seiner Eltern, die Zerstörung Glogaus im Dreißigjährigen Krieg und die damit verbundenen Religionsverfolgungen hinterließen bei ihm tiefe Spuren. Und so behandelte er in seinen beeindruckenden Sonetten, wie es Wolfgang Beutin in Deutsche Literaturgeschichte formuliert„das Leiden, Gebrechlichkeit des Lebens und der Welt.”  Einen seiner Texte widmete er der

Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht,
Die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht,
Die etwa möchten kommen;

Der Augenblick ist mein,
Und nehm ich den in acht
So ist der mein,
Der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Sicherlich war es in dieser Zeit nicht einfach, zu der Erkenntnis zu gelangen, dass man den Augenblick ehren muss, um die Ewigkeit zu gewinnen. Und auch heute scheint es zuweilen, dass  den Menschen diese Erkenntnis fremd ist.