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Deutsche unterschätzen ihre Lebenszeit

Zeit ist relativ. Und das wissen nicht nur Fans von Albert Einstein, der einmal gesagt hat: „Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.“

Dass sich der Mensch also mit der Zeit vertut, scheint ganz normal. Dass er das aber auch mit der Lebenszeit, seiner eigenen Lebenszeit, tut, ist dann doch bemerkenswert. So unterschätzen, wie jetzt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Initiative 7 Jahre länger ergeben hat, die Deutschen ihre Lebenserwartung um durchschnittlich sieben Jahre.

Der Studie zufolge erwarten die männlichen Befragten, dass Männer in Deutschland 77,4 Jahre alt werden. Tatsächlich beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung laut der Generationensterbetafel des Statistischen Bundesamts jedoch 84,7Jahre (Näherungswert). Männer unterschätzen die Länge ihres Lebens also um rund sieben Jahre (7,3).

Die weiblichen Befragten erwarten im Schnitt, dass Frauen 80,8 Jahre alt werden. Die Lebenserwartung beträgt laut Statistischem Bundesamt jedoch annähernd 88,7 Jahre. Frauen unterschätzen ihre Lebensspanne somit sogar um fast acht Jahre (7,9).

Lebenserwartung-neugeborener-Jungen_Maedchen_Sterbetafel

89 Prozent der Befragten beziffern der Umfrage zufolge die Lebenserwartung von Männern zu niedrig, und sogar 92 Prozent unterschätzen die Lebenserwartung von Frauen. In diesem Irrtum ist sich Deutschland aber dafür einig: Männer und Frauen in Ost und West und in jedem Alter verschätzten sich gleichermaßen.

Ein Grund für die Fehleinschätzungen ist die rasante Entwicklung der Lebenserwartung: Statistisch gesehen gewinnen die Deutschen jedes Jahr drei Monate Lebenszeit hinzu. „Die Lebenserwartung steigt schneller, als die meisten Leute denken“, sagt Jochen Ruß, Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften. Wenn man über die eigene Lebenserwartung nachdenke, habe man vermutlich oft die Lebensdauer von Menschen der Generation der eigenen Eltern und Großeltern im Hinterkopf, so Ruß.

Geht man einmal 100 Jahre zurück, muss man feststellen, dass sich die Lebenserwartung der Deutschen in dieser Zeitspanne verdoppelt hat. Zentrale Gründe hierfür sind bessere Arbeitsbedingungen, eine gesündere Lebensweise und medizinische Fortschritte.

Und der Trend scheint anzuhalten. Mit jedem Tag steigt die Lebenserwartung um gut sechs Stunden. Pro Jahrzehnt gewinnen wir rund 2,5 Jahre an Lebenszeit hinzu.

Doch nicht nur die Lebensspanne wird immer länger, auch die Anzahl der gesunden Jahre steigt kontinuierlich. Das Ergebnis: Senioren sind heute wesentlich aktiver als früher und ihr Wunsch nach Selbstverwirklichung nimmt stetig zu.  Dabei schlägt sich das Lebensgefühl der dynamischen Rentner-Generation überall nieder:

  • Rund 42 Prozent der Gasthörer an deutschen Hochschulen waren im WS 2014 / 2015 mindestens 65 Jahre alt. Insgesamt 14.200 Gaststudierende hatten sich eingeschrieben, was einem Plus von 20% innerhalb von zehn Jahren entspricht. (Quelle: Destatis)
  • 667.000 Rentner lernten im Jahr 2013 an der Volkshochschule. (Quelle: Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung)
  • Der Anteil der über 60-jährigen Mitglieder in deutschen Fitnessstudios wächst kontinuierlich: Rund 13 % der Fitnessstudio-Mitglieder in Deutschland sind über 60 Jahre alt. (Quelle: Studie der Unternehmensberatung Deloitte)
  • Gut vier Millionen Mitglieder in Sportvereinen sind über 60 Jahre alt. (Quelle: DOSB Bestandserhebung 2014)
  • Immerhin 3.972 Senioren (65+) machten 2013 ihren Motorradführerschein. (Quelle: Kraftfahrtbundesamt)
  • Sogar bei der Partnersuche werden immer mehr rüstige Singles selbst aktiv – und setzen auf das Internet. (Quelle: Parship).
  • 57 % der 65-85-Jährigen sind laut Umfragen mit ihrem Leben zufrieden. (Quelle: Altersstudie Generali 2013)