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Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit

„Ist das Universum unendlich oder begrenzt oder endlich und unbegrenzt? Hat die Raumzeit einen Anfang, den Urknall? Wird ihre heutige Expansionsbewegung einmal zum Stillstand kommen, so daß sie wieder in sich zusammenstürzt? Liefe die Zeit dann rückwärts? Welchen Platz im Kosmos nehmen wir ein? Und ist in den atemberaubenden Modellen der Astronome Gott endgültig von seinem Thron verbannt? Das sind nur einige der existentiellen Fragen, die Forschung und Lehre im Zenrtum der modernen Physik und Kosmologie ebenso bestimmen wie die Diskussion von Philosophen und Geisteswissenschaftlern. Stephen Hawking hat sich in seinem bahnbrechenden Buch ‚Eine kurze Geschichte der Zeit‘ mit ihnen befaßt. In dieser einmaligen illustrierten Sonderausgabe bringt er seinen zum Klassiker der modernen Astrophysik avancierten Bestseller auf den gegenwärtigen Erkenntnisstand und gibt einen gut verständlichen Einblick in seine komplexen Theorien über Ursprung und Schicksal des Universums.“

So die verlagsseitige Beschreibung des im Februar dieses Jahres immerhin in 5. Auflage erschienenen Buches, in dessen Vorwort der Verfasser seine Aktualisierung im Jahre 1996 u.a. wie folgt beschreibt: „Zu diesem Zweck habe ich viele Erkenntnisse und Beobachtungsdaten aufgenommen, die seit der Erstveröffentlichung (1. April 1988) hinzugekommen sind. Ferner gibt es ein neues Kapitel über Wurmlöcher und Zeitreisen. Einsteins Relativitätstheorie scheint uns die Möglichkeit zu eröffnen, Wurmlöcher zu schaffen und zu nutzen – kleine Röhren, die verschiedene Regionen der Raumzeit miteinander verbinden. Wenn dies so wäre, könnten wir eines Tages in der Lage sein, Blitzreisen durch die Milchstraße oder durch die Zeit zu unternehmen.“ So weit, so gut, und vor allem verständlich.

IMG_2520 KopieAll-Interpretation von Elly Untermann (2002): In sich geschlossen und ohne Anfang und Ende?

Auch die Probleme, die Zeitreisen so mit sich bringen könnten, erklärt Hawking ausgesprochen anschaulich. Da es kein einheitliches Zeitmaß gebe und jeder Beobachter eine eigene Zeit habe, die er auf seiner mitgeführten Uhr messe, könne die Reise den Raumfahrern wesentlich kürzer erscheinen als den Freunden und Verwandten auf der Erde. „Allerdings“, so der Mathematik- und Physikprofessor, „wäre es kaum sehr angenehm, einige Jahre älter von seiner Reise durchs All zurückzukehren und feststellen zu müssen, daß alle Menschen, die man auf der Erde zurück gelassen hat, seit Jahrtausenden tot und vergessen sind. So mußten die Science-ficton-Autoren, um ihren Geschichten einen menschlichen Anstrich zu geben, vorausssetzen, wir würden eines Tages einen Weg finden, uns schneller als das Licht fortzubewegen. Allerdings scheint den meisten dieser Autoren nicht klar zu sein, daß nach der Relativitätstheorie jemand, der schneller als das Licht ist, auch in der Zeit zurückreisen kann, wie dem folgenden Limerick zu entnehmen ist:

There was a joung lady of Wight
Who traveled much fast than light.
She departed one day,
In a relative way,
And arrived on the previous night.“

Dass das nicht ganz unproblematisch sein kann, ist nachvollziehbar. Hawking beschreibt einen der möglichen Widersprüche: „Nehmen Sie beispielsweise an, Sie gingen zurück und brächten Ihren eigenen Ururgroßvater zur Strecke, als er noch ein Kind war“. Ebenso verständlich erklärt er an anderer Stelle, was „kosmische Strings“ sind: „Wie der Name sagt, handelt es sich bei kosmischen Strings um saitenartige Objekte, das heißt, sie haben Länge, aber nur einen winzigen Querschnitt. Im Grunde haben sie mehr Ähnlichkeit mit Gummibändern, denn sie stehen unter enormer Spannung – etwa einer Million Millionen Millionen Millionen Tonnen. Ließe sich ein kosmisches String an der Erde befestigen, so könnte es diese in einer dreißigstel Sekunde von 0 auf 100 Kilomter pro Stunde beschleunigen.“ Wow, denkt man da – wie des Öfteren in diesem Buch, das sich erfrischend humorvoll, klar und plausibel sowie zum Teil mit sensationellen Hubble-Fotos bebildert präsentiert. Ohne seinen wissenschaftlichen Anspruch aufzugeben, ist es in der Sprache eher unakademsch und damit für ein breites Publikum nachvollziehbar. Insofern ist es wahrlich kein Wunder, dass von Hawkings Büchern über Physik, wie sein ehemaliger Student Nathan Myhrvold es einmal formulierte, mehr verkauft worden sind als von Madonnas Büchern über Sex. Dieses gehört ganz sicher dazu und macht Lust auf das vielleicht nächste Werk dieses genialen Mannes.

Denn, so schreibt er, “sind weitere Beobachtungen erforderlich, um diese Hypothese (Anm. d. Red.: das Universum weise keine Grenzen oder Ränder in imaginärer Zeitrichtung auf) zu bestätigen und andere möglichen Erklärungen für die Fluktuationen im Mikrowellenhintergrund auszuschließen. Jedenfalls sollten wir in ein paar Jahren wissen, ob wir daran glauben können, daß wir in einem Universum leben, das vollkommen in sich geschlossen und ohne Anfang und Ende ist.” Es bleibt also spannend.

Hawking Stephen Hawking: Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit rororo Verlag, Februar 2015, 256 Seiten,14,99 Euro, ISBN  978-3-499-61968-7