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Mahnung, Zeit sinnvoll zu nutzen

Als Zeitmesser hat die Sanduhr in unseren Tagen keine große Bedeutung mehr. Aber kaum eine andere Uhr wurde und wird in Kunst und Literatur so oft bemüht, den Begriff Zeit sinnfällig zu erläutern und ihre Vergänglichkeit zu symbolisieren. Selbst in der Computerwelt hatte die Sanduhr Jahrzehnte einen festen Platz auf dem Bildschirm. Dann nämlich, wenn dem Nutzer signalisiert werden sollte, dass der Arbeitsvorgang noch nicht beendet sei und man noch ein wenig zu warten habe, tauchte sie auf.

Die früheste Darstellung einer Sanduhr findet sich auf einem Fresco aus dem Jahre 1338, das mit Titel „Allegorie der guten Regierung“ im Palazzo Pubblico im toskanischen Siena hängt und von dem italinieschen Maler Ambrogio Lorenzetti geschaffen wurde. Die erste namentliche Erwähnung datiert aus dem Jahre 1379 und findet sich in einem Inventarverzeichnis Karls V. von Frankreich. Dort ist jedenfalls beschrieben, dass er drei Uhren und eine Sanduhr sein Eigen nannte.

Allegorie der guten RegierungFrüheste Darstellung einer Sanduhr in der “Allegorie der guten Regierung” (rechte Bildhälfte)

Schon der griechische Mathematiker, Physiker und Ingenieur Archimedes soll bereits 200 v. Chr. eine Sanduhr besessen haben. Belegt ist das aber ebenso wenig wie, dass die Sanduhr im 9. Jahrhundert von einem Mönch namens Luitiprand aus Chatres erfunden sein soll. Die erste verifizierbaren Hinweise stammen aus dem 14. Jahrhundert, so dass die Erfindung auch in diese Zeit gefallen sein dürfte.

Die Herstellung einer Sanduhr war nicht sonderlich kompliziert, da es keiner mathematischen Kenntnisse und schwieriger Berechnungen bedurfte. So bestanden die ersten Sanduhren aus zwei einzelnen Glaskolben, die über eine Lochblende miteinander verbunden waren. Der Sand floss durch die Blende, die aus Metall, Glas, Glimmer oder Holz bestand, von einem Kolben in den anderen. Allerdings nutzten sich die Lochblenden durch den Abrieb ab, was dazu führte, dass der Sand schneller durchlief und sich somit die Laufzeit der Uhr verringerte. Dieses Problem löste sich Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts, als Sanduhren aus einem Stück hergestellt werden konnten und an die Stelle der Lochblenden widerstandsfähigere Verbindungen traten.

Obwohl die Sanduhr Sanduhr heißt, ist gewöhnlicher Sand nicht geeignet, da er in aller Regel empfindlich auf Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen reagiert und verklebt. Während anfangs Marmorstaub sowie Zinn- bzw. Bleisand Verwendung fand, sind heute feine Glasperlen gebräuchlich. Auch feingemahlene Eierschalen wurden zuweilen eingesetzt, wodurch der Name Eieruhr entstand.

Sanduhr  Mahnt den Menschen, seine Zeit sinnvoll zu nutzen.

Eingesetzt wurde die Sanduhr bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten und in den verschiedensten Bereichen. Sie diente als Zeitmesser bei Turnieren oder Anstandsbesuchen, bei Vermietungen oder Predigten, in Wirtschaft und Politik, in Küche und Medizin. Die aber wohl größte Bedeutung als Zeitmesser erlangte die Sanduhr in der Seefahrt, in der so prominente Seefahrer wie der Italiener Christoph Kolumbus oder sein portugiesischer Kollge Joáo de Castro die Uhr einsetzten.

In unserer Zeit findet man die Sanduhr häufig noch als dekorativen Gegenstand, der allerdings den Menschen stetig  daran erinnert, dass die Zeit vergänglich und das Leben nur kurz ist, und ihn mahnt, seine Zeit sinnvoll zu nutzen.