Zeitwelten – ziemlich spannend

Zeitwelten, dieses Wort kennt der Duden nicht. Auch in einem Brockhaus aus dem Jahre 1984 sucht man vergebens. Im Netz dagegen wird man fündig. Immerhin 5.380 Treffer gibt es bei Google. Gleich die erste Fundstelle verweist auf ein Buch, das auch noch so heißt: Zeitwelten von Reiner Wiehl aus dem Jahre 1998, das den Untertitel trägt: Philosophisches Denken an den Rändern von Natur und Geschichte. Aber nicht nur in der Philosophie taucht der Begriff auf, auch in der Physik kommt man ohne ihn nicht aus. Und das sind längst nicht alle Disziplinen, die diesen Begriff bemühen. Was aber sind Zeitwelten? In loser Folge soll es zu dieser Frage künftig hier auf diesem Blog Beiträge geben, die in die Tiefe gehen und alle Bereiche beleuchten. Heute jedoch soll ein ganz einfaches Beispiel reichen, das – der alltäglichen Realität entnommen – völlig banal und insofern ganz leicht nachvollziehbar ist. Also, wie wir alle wissen, gibt es zwei Sorten von Menschen: Den Zufrühkommer und den Zuspätkommer. Beide leben, wenn sie hier in Berlin ansässig sind, in derselben Zeit, aber ganz offensichtlich in völlig unterschiedlichen Zeitwelten. Ich selbst gehöre der ersten Kategorie an und empfinde Unpünktlichkeit als eine besonders schwere Form des Diebstahls. Denn die Zeit, die ich gewartet habe, ist unwiederbringlich weg. Zudem ist es auch eine ziemliche Respektlosigkeit, jemand warten zu lassen. Und komischer Weise haben diese Menschen der Kategorie zwei selbst noch nie einen Ferienflieger versäumt. Stellt sich abschließend die Frage, wie es dazu kommt, dass jemand pünktlich bzw. unpünktlich ist. Dazu stellt die Diplom-Psychologin Beatris Uhlig fest: „Es ist sehr prägend, in welchem Umfeld man geboren wird. Ob Kinder später pünktlich oder gar Zuspätkommer sind, sieht man erst im Schulalter. Wir bringen zwar eine Veranlagung mit, können aber im Laufe des Lebens zwischen den beiden Zeitwelten wechseln.“ Da ist er wieder, der Begriff Zeitwelten, die, wenn man sich intensiver mit ihnen auseinandersetzt, ziemlich spannend sind.

Ein Gedanke zu „Zeitwelten – ziemlich spannend

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